
Let´s Go Public
Juli 1, 2008Brainstormig zum Wettbewerb Heuer bin ich erstmals in St.Pölten bei Wettbewerben angetreten. Es war eine sehr wertvolle Erfahrung, hat mir in meiner Entwicklung als Künstler sehr weitergeholfen und vor allem viel Spaß gemacht. Aber eines stört mich ungemein.
In vielen Disziplinen der Unterhaltung wie Sport, Kabarett, Theater, Kino gibt es Wettbewerbe, wie diverse Filmfestspiele, die Goldene Rose von Montreux, Fußballmeisterschaften und viele weitere Talentwettbewerbe. Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“, „Dancing Stars“, „Starmania“ und (egal, wie man zur Aufmachung dieser Sendung steht) “The next Uri Geller”, sie alle belegen das Publikumsinteresse an öffentlich ausgetragenen Wettbewerben.
Warum fristet unser Wettbewerb ein Dasein im Abseits? Dass wir unsere Geheimnisse verbergen, bedeutet doch nicht, dass wir unsere Kunst verstecken müssen!
Warum sollten zukünftige Wettbewerbe nicht auch im TV übertragen werden? Warum wandeln wir die Staatsmeisterschaften nicht auch zu einem öffentlichen Event? Warum entstauben wir unser Image in der Öffentlichkeit nicht von alten Klischees?
Im folgenden habe ich einige Ideen aufgelistet. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Perfektion, sondern sollen lediglich ein Denkanstoß sein:
· Kreation einer Marke (wie z.B. die Goldene Rose von Montreux)
· Fixe und längere Probezeiten (auch für den Close-Up Wettbewerb)
· Klar definierte Kompetenzverteilung zwischen MRA und Veranstalter
· Erweiterte Richtlinien zur Durchführung des Wettbewerbs hinsichtlich Qualitätssicherung der Ausstattung und Videoaufzeichnung.
· Fixe Jurybesprechung nach den Wettbewerben mit den Wettbewerbsteilnehmern zur Programmverbesserung und Nachvollziehbarkeit einzelner Entscheidungen
· Vorausscheidungen oder andere Qualitätssicherungsmaßnahmen wie Klubmeisterschaften o.ä.
Ich bin davon überzeugt, dass auch arrivierte Zauberkünstler an solchen öffentlichkeitswirksamen Wettbewerben wieder verstärkt teilnehmen würden und dass ein dermaßen reformierter Wettbewerb langfristig für Laien und somit für jeden Kongress ein großes Zugpferd sein könnte! Somit wäre auch die Finanzierbarkeit von Kongressen erleichtert.
All jenen, die mir entgegnen, dass Leute wie Lennart Green oder andere Spezialisten in solchen Bewerben nicht gewinnen würden, möchte ich sagen, dass auch ich diese Künstler nicht missen möchte. Es bliebe uns weiterhin unbenommen, unsere „heimlichen“, vielleicht nicht ganz so öffentlichkeitswirksamen Stars zu küren und wertzuschätzen, indem wir ihre Seminare besuchen, ihre Veröffentlichungen kaufen und sie in den mitternächtlichen Hotellobby- Sessions gottähnlich verehren.
Die Zauberkunst im Allgemeinen verdient es aber aus Ihrem Schattendasein hervorzutreten und in Zukunft noch mehr Menschen zu begeistern als bisher.
Wie denkt ihr darüber? Der Schreiber dieser Zeilen freut sich über Feedback zu diesem Thema.
Mit zauberhaften Grüßen
Lucca
P.S.: Ich muss zugeben, dass ich die mit vielen Insider-Gags gespickte Nummer des heurigen Kartenmagie-Siegers und Staatsmeisters Mecki wohl nicht in dieser Form bei einem wie oben angedachten Wettbewerb gesehen hätte und ich solche Darbietungen vermissen würde. Aber ich bin überzeugt, dass eine von ihm entwickelte Vorführung für Laien mich um nichts weniger unterhalten würde. Mecki, du warst mit Abstand der Beste, ein würdiger Sieger und als Schüttelreim-Liebhaber möchte ich dir an dieser Stelle noch mal herzlich und anerkennend gratulieren und danken. Ich habe deine grandiose Nummer genossen!
Lieber Lucca,
kann Dir großteils nur beipflichten und finde, Deine Anregungen gehen genau in die richtige Richtung. Ich persönlich bin nur in zwei Punkten etwas anderer Meinung: einerseits finde ich, das Thema “Aufzeichnungen” sollte von jedem Künstler individuell verhandelt werden können und nicht standardisiert und vom MRA festgelegt werden. Gar die Teilnahme an Fernsehsendungen ist für mich unbedingt eine reine Zusatzoption, die keine Voraussetzung für die Teilnahme an den MRA-Ausscheidungen sein sollte.
Zweitens bin ich skeptisch bei der Einbindung völliger Laien in die Jury. Es handelt sich ja um keinen Publikumswettbewerb, sonst könnten gleich ALLE Zuschauer abstimmen. Was ja denkbar und für mich auch O.K. wäre. Aber wenn schon Jury, dann bitte Fachleute. Deinen Wunsch nach mehr Laienpublikum bei den Wettbewerben (bislang sinds halt hauptsächlich Zaubererfrauen) möchte ich ebenfalls nachdrücklich unterstützten.
beste Grüße, Franz
Hi Lucca,
danke für deine Meinung zu den Wettbwerben.
Du sprichst damit sicher einigen aus der Seele und schaffst damit eine Diskussionsgrundlage, die auch dem MRA Vorstand einige wertvolle Verbesserungstipps liefern kann. in diesem Sinne wünsche ich mir eine lebhafte Beteiligung und eröffne hiermit die Diskussionsrunde!
Hallo Lucca,
Zauberei ist nicht wirklich populär und kein Laie würde sich das teilweise erschreckende Niveau eines Wettbewerbs bieten lassen. Randgruppenfernsehen.
Derzeit ist es eher eine Selbstdarstellungsmöglichkeit für Teilnehmer die einmal vor großem Fachpublikum auftreten wollen. Und natürlich für Kongressveranstalter ein unterhaltsames Gratisprogramm, für das er keine Gage zahlen muss.
(Unterhaltsam deshalb, da wir Zauberer ja ein etwas hinterhältiges Volk sind, die sich gerne über schlechte Programme amüsieren.
Wenn wir heute sehen wie mühsam es z.B. für die Magic Mushrooms im Sommerloch einen späten Sendetermin mit einem tollen Konzept bekommen, dann frage ich mich wie es jemals gelingen soll ein Programm dass mich jetzt als Insider schon langweilt in die Öffentlichkeit zu bringen. Bitte nicht!!!!
Hallo Fulmerone!
Daß (gute) Zauberei nicht populär wäre, ist doch nicht wahr.
Es liegt an uns, das Niveau zu steigern